Kultur

Therapiearbeit als Hilfe aus schwierigen Situationen, als Verhinderung von Schlimmerem und als Förderung von persönlicher Stabilität und Eigenständigkeit ist die eine Sache, Kultur als gemeinsame Lebensgrundlage, gesunde Grundhaltung und Basis für größeres Leben die andere Sache.

 

Therapie ist wie Entwicklung einer persönlichen Sprache und eines Zuganges zu sich selbst und zu anderen. Kultur ist wie gemeinsame Sprache und Leben aus einem größeren gemeinsamen Selbst.

 

Ich bin als mein subjektives Selbst das Zentrum des Universums, so wie auch Sie als subjektives Selbst das Zentrum des Univerrsums sind. Wir sind gemeinsam die Größe und Dichte des multizentrischen Universums, sind verbunden und eins, in einem Punkt zentriert und zugleich unendlich ausgedehnt.

 

Jeder ist gefangen und begrenzt durch die Realität des Ego (kleines Ich) und doch kann niemand etwas anderes sein als sein Selbst (großes Ich).

 

Kultur bedeutet das kleine Ich nicht mit dem großen Ich zu verwechseln. Wir sind beides und zwischen diesen Polen ist die Spanne des Lebens und der scheinbare Widerspruch zwischen unserer äußeren Existenz und der inneren Weite und Unbegrenztheit.

 

Kultur ist der heilige Kampf, sich und die Welt einerseits anzunehmen, in all der Begrenztheit wie wir uns und Welt wahrnehmen, und andererseits offen zu sein für das Stück Entwicklung, welches uns für uns selbst und mitteinander gegönnt ist.

 

Ein Leben ohne sich zu hinterfragen und geistig weiter zu werden, orientiert nur an Bequemlichkeit und Verharrung, wäre öde und armselig, so wie wenn einer sein Spiegelbild anguckt, dieses für ewig, genug und wesentlich hält.

 

Der Kern meiner Therapiearbeit ist eigentlich Entblockierung des natürlichen inneren Strebens zur Selbstwerdung. Es sollte beitragen zu einer Kultur des gemeinsamen Wachsens und der gemeinsamen Sprache, damit wir uns nicht in der äußeren Vereinzelung verlieren, sondern aus der tieferen Dimension des inneren Seins und der Innenwelten und ihren Brücken schöpfen. Anstatt voreilig zu reden, sollen wir die Lebendigkeit des Schweigens und das fließende Sein unserer seelischen Verbindung zulassen.

 

Der kleine Mensch soll nicht den großen Menschen zu ersetzen versuchen. Ein Menschenleben alleine ist weniger als ein halbes Wort, die Menschheit mehr als eine Symphonie.